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Helfen statt Hamstern

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Jubiläum: Unsere Orgel wird 25 Jahre alt

Leider muss das Jubiläums-Konzert am Samstag, den 21. März um 19:00 Uhr wegen des Corona-Virus verschoben werden. Wir werden Sie rechtzeitig über den neuen Termin informieren.

 

Den Orgelbau vor 25 Jahren begleitet hat Prof. Volker Lutz – Kirchenmusikdirektor und Orgelsachverständiger unserer Landeskirche. Aus Anlass unseres Orgeljubiläums gratuliert er unserer Gemeinde und erinnert sich an die besondere Baugeschichte unserer Orgel:

Schon 1959 erklang in der Christuskirche ein Leihpositiv der Firma Weigle, die dann 1961 einen Vertrag zum Bau einer Orgel erhielt.
Ohne Wissen des damaligen Orgelsachverständigen KMD Walther Lutz holte Kantor Bischoff etliche weitere Angebote ein, das billigste kam von der Firma Schuster aus München. Auf Anfrage des Sachverständigen beim Münchner Orgelprofessor und –sachverständigen Friedrich Högner warnte der vor der Firma – „wenn man gute Firmen im Land hat, verstehe ich nicht die Wendung zur übrigens andersgläubigen Firma Schuster, von der ich selber stets Abstand nehme“.
Trotzdem bekam Schuster den Auftrag und baute 1965 eine Orgel von 27 Registern mit elektrischer Traktur.

Schon bald zeigte sich, dass „billig“ zwei Bedeutungen hat. Nach wenigen Jahren schon traten die ersten Störungen auf, die in der Folge immer häufiger wurden. Ich erinnere mich an ein Konzert des Hymnus-Knabenchors in den 70er Jahren, zu dem ich Orgelstücke beizutragen hatte und wo ich vorher wesentlich mehr Zeit bei der Behebung von Störungen in der Orgel verbrachte als am Spieltisch zum Üben.

1988 kamen zwei Orgelbaumeister zum Ergebnis, dass „das Instrument gravierende technische Mängel“ aufweise. „In ein solches in sehr vielen Bereichen mangelhaftes Werk Geld für Reparaturen…zu stecken, sollte vermieden werden, da mit Sicherheit ein dauerhafter Erfolg ausbleibt“ (OBM Rensch).
Als inzwischen zuständiger Sachverständiger wurde ich zu einer Untersuchung der Orgel gebeten, die ich gründlich durchführte. Dabei löste sich eine Schraube einer Balgfederleiste vollends aus der Spanplatte(!), die krachte auf mich herunter – es blieb bei einer leichteren Verletzung…
Klar war, dass tatsächlich ein Neubau die einzige Lösung mit „dauerhaftem Erfolg“ sein würde, und in der Folge begannen lebhafte und wertvolle Diskussionen über die Gestaltung eines Neubaus vornehmlich mit den Herren Otto Maisch und Wolfram Graf. Wir einigten uns schließlich auf die jetzt realisierte Lösung mit Koppelmanual und Wechselregistern, die bei der aus finanziellen Gründen eigentlich zu geringen Zahl von 23 Registern ein Maximum von klanglichen Farben und Abstufungen ermöglicht.

Den Zuschlag erhielt die Firma Mönch aus Überlingen – obwohl auch „andersgläubig“ – , die dann 1995 die neue Orgel baute. Dabei konnten immerhin etliche Register der Vorgängerorgel nach intensiver Überarbeitung wieder verwendet werden. Nicht realisiert werden konnte zunächst der Einbau einer Oboe 8‘, die aber technisch vorbereitet wurde und, wie ich kürzlich erfreut feststellte, inzwischen dazugekommen ist als schöne zusätzliche Farbe in der hervorragend gelungenen Orgel.

Das Ergebnis habe ich in meinem Beitrag zur damaligen Festschrift und im Abnahme-Gutachten vom 31.3.1995 eingehend gewürdigt.
Ich „konnte mich über ein schönes und wohlgelungenes Werk freuen, das alle, die es spielen und hören, in seinen Bann zieht und seiner Aufgabe, da weiterzuklingen, wo die menschliche Rede aufhört, wohl gerecht wird.“

Das tut es jetzt schon seit 25 Jahren und kann es bei guter Pflege noch für weitere Jahrzehnte tun. Dazu beglückwünsche ich die Christusgemeinde sehr gerne noch einmal!

Prof. Volker Lutz